Gedanken zum Zenkutsu-Dachi

Ein Gedankenspiel zum Zenkutsu-Dachi

Der Zenkutsu-Dachi ist einer der wichtigsten und häufigsten Stände in der Welt des Kampfsportes.

Der Stand selbst ist nach vorne gerichtet, sodass bei einer Schulterbreite (lichtes Maß) und einer Länge von ca. 1,5 -2-facher der eigenen Schulterbreite sich eine Gewichtsverteilung von ca. 60% auf das vordere Bein und ca.  40 % auf das hintere Bein einstellt. Dies ist dadurch gegeben, da das vordere Knie so weit angewinkelt ist, dass die eigenen Zehe des vorderen Fußes nicht mehr zu sehen sind – sie werden bei einer aufrechten Körperhaltung durch das vordere  Knie verdeckt. Somit verschiebt sich der Schwerpunkt des Oberkörpers ebenfalls nach vorne, also eine offensive Haltung. Das hintere Knie ist gerade. Beide Füße sind nach vorne ausgerichtet, wobei der hintere geringfügig nach außen gedreht werden darf.   Die  Hüfte ist in dem Stand  gerade, d.h. im rechten Winkel zur Bewegungsrichtung.


Die Haltung der Arme kann von Stilrichtung zu Stilrichtung variieren, denn diese haben mit dem eigentlichen Stand, also der Fuß- und Beinstellung, nicht direkt etwas gemeinsam. Im Folgenden wird hauptsächlich auf den Unterkörper eingegangen: Füße, Beine und Hüfte.


Beabsichtigt nun ein Sportler aus dem Zenkutsu-Dachi eine Vorwärtsbewegung, wobei erneut ein Zenkutsu-Dachi angenommen werden soll, muss er folgendes beachten:


1. Die Füße und Beine führen eine kreisförmige Bewegung durch

2. Der Körper vollzieht eine linear-horizontale Bewegung


Um die Vorwärtsbewegung etwas besser zu beschreiben, wird diese wie folgt sequenziert:


a) Ausgangslage

b) Zwischenlage

c) Endlage


Das Heranziehen des hinteren Beins aus der Ausgangslage in die Zwischenlage erfolgt auf eine fast direkte Art zu dem vorderen Standbein. Zu beachten ist allerdings, dass der heranziehende Fuß mit dem Boden über den Fußballen kontaktiert; das verringert die Reibfläche und somit auch den Kraftverlust. Das Bodengefühl bleibt dadurch aber unverändert bestehen.


Das vordere Bein, welches in diesem Moment annähernd ca. 95 % des Körpergewichtes trägt, ist im Knie angewinkelt, sodass die Hüfte auf dem gleichen Höhenniveau wie in der Ausgangslage, dem Zenkutsu-Dachi, selbst verbleibt. Der Körper / Die Hüfte vollzieht somit eine linear-horizontale Bewegung.  Zu begründen ist dies mit dem Absenken des eigenen Schwerpunktes, der Stabilität. Es bedarf wesentlich mehr Kraft und Kontrolle einen höher gelegenen Körper zu stabilisieren, als einen sich tiefer befindenden. Ein Beispiel hierfür ist die Auslegung der Formel-1 Rennfahrzeuge mit einer tiefen Lage des Schwerpunktes: ihre Wendigkeit bei Kurvenfahrten mit hoher Geschwindigkeit ist weit aus viel besser als die eines LKW’s bei gleichen Bedingungen.


Ein weiterer Aspekt der  Niveauerhaltung (Höhenerhaltung) der Hüfte   während der Vorwärtsbewegung  ist die  Entfaltung und Einwirkung der  Kraft, die bei Folgetechniken wie einem Oi- oder Gyaku-Zuki  wirken soll.  Siehe hierzu  "Ein Gedankenspiel zum Oi- und Gyaku-Zuki"


Um das Gleichgewicht beim Heranziehen nicht zu verlieren bewegt sich die Hüfte samt Oberkörper proportional nach vorne mit, bis die Zwischenlage erreicht wird. Während dieser Bewegungsphase unterstützt das vordere Standbein mit einem bewussten Ziehen das Vorwärtskommen: es herrscht Zugphase. Dies beeinflusst die Stellung der Hüfte in Bezug auf die Bewegungsrichtung.


Die Zwischenlage ist mehr als eine Art „Momentaufnahme“ zu verstehen und anzusehen. Hielte man die Bewegung in diesem Moment an, so gäbe sich ein folgendes Bild:


- das vordere Bein trägt weiterhin das meiste Körpergewicht

- der vordere Fuß ist ganz abgesetzt

- das Knie des vorderen Beins ist weiterhin angewinkelt

- die Hüfte ist abgesenkt und leicht in offener Stellung

- der Körperschwerpunkt befindet sich über der Standfläche des vorderen Beins

- das herangezogene Bein ist ebenfalls im Knie angewinkelt

- das herangezogene Bein stützt nur leicht mit dem Fußballen ab

- beide Füße sind nebeneinander


Die offene Stellung der Hüfte bedeutet, dass sie nicht lotrecht zur Bewegungsrichtung ausgerichtet ist, sondern in einem kleinen winkel zu ihr steht. Dies ist für viele folgende Techniken von großer Bedeutung, da bei Stößen und Schlägen die Drehbewegung der Hüfte die Kraftentfaltung wesentlich begünstigt. Betrachtet man allerdings nur die reine Vorgehensweise ohne weiter einsetzender Techniken wie Schlagen, Stoßen, Treten oder Blocken, so kann die Hüfte lotrecht zur Bewegungsrichtung geführt werden.


Aus der Zwischenlage aus leitet das Standbein die Schubphase ein und unterstützt die Vorwärtsbewegung bis zum Erreichen der Endlage (ein erneuter Zenkutsu-Dachi) aktiv mit. Das Bein wird bewusst gestreckt. Ein „Reinfallen“, also eine unkontrollierte passive Bewegung nach vorne aufgrund der Schwerkraft, ist zu vermeiden. Das bereits angezogene Bein wird in der Schubphase weiter nach vorne bewegt, bis ein erneuter Stand angenommen wird, mit den im Absatz 2. beschriebenen Eigenschaften.


Bilder für eine genauere Veranschaulichung folgen in Kürze.

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