Gedanken zu Prüfungen und Co

Ein Gedankenspiel zu Prüfungen und Meisterschaften

Es ist eine Art Belohnung. Man arbeitet lange darauf hin und stellt sich einer Herausforderung. Sei es in Form einer Karateprüfung oder aber auch eines Karateturniers. Beides erfordert viel Arbeit, Fleiß und auch Schweiß.


Bei den Prüfungen sollte von den Teilnehmern so manches abverlangt werden, denn neben der Theorie ist auch die Praxis zu beherrschen. So werden je nach bereits erreichter bzw. angestrebter KYU-Stufe die Schwerpunkte gelegt und bewertet. Doch läuft es immer so glatt und reibungslos ab, wie man es manchmal vermuten könnte und auch offensichtlich in den verschiedenen Medien lesen kann? Oft, vielleicht sogar zu oft, ist zu vernehmen, dass alle Teilnehmer ihren Traum vom nächsten Gurt verwirklicht haben. Sind denn wirklich alle so gut, dass sie mit Stolz den nächsten Gurt tragen dürfen?


In der Prüfungsordnung einer jeden Stilrichtung sind mehrere Punkte angegeben, die eingehalten werden müssen. Der Prüfling soll regelmäßig, kontinuierlich, mehrfach die Woche am Trainingsgeschehen teilnehmen und desweiteren soll er gute körperliche Fitness sowie Trainingserfolge aufweisen können. Folgende Richtlinien und / oder zusätzliche Qualifikationen wie z.B.

-das Mindestalter

-entsprechende Leistung

-die erforderliche Wartezeit

-Nachweis über Kampfrichterlehrgänge

-Teilnahme und Nachweis von Lehrgängen mit lebensrettenden Sofortmaßnahmen

-erforderliche Turniererfahrungen

-Vorlage eines polizeilichen Führungszeugnisses 

-Gesundheitsnachweis

-Charakterliche Eignung

sind vielleicht keine Seltenheit. Nicht um sonst werden zwischen den unteren KYU-Stufen Wartezeiten von mehreren Monaten (für Kinder sogar mehr) abverlangt. Selbst zwischen den DAN-Graden liegen mehrere Jahre, denn alle Prüflinge sollen den vermittelten Stoff verinnerlichen und an der Perfektion der Technik arbeiten.


So viel zu der „Soll-Praxis“. Denn nicht zu selten werden Prüfungen schon fast familiär abgehalten, bei denen auch beide Augen zugekniffen werden: in einem kleinen Rahmen, während des Trainings, nach diversen Seminaren oder Workshops in der jeweiligen Stilrichtung. Auch so genannte Mammut-Prüfungen sind in großen Vereinen durchaus Gang und Gebe. Doch hier stellt sich die Frage, ob diese Varianten die Prüflinge wirklich objektiv und gerecht bewerten können. Welche Richtlinien hat die Prüfungskommission zu befolgen und nach welchen Kriterien geht sie denn bei der Beurteilung eines Prüfungskandidaten vor? Sympathie und regelmäßige Trainingsteilnahme oder Können, Reife und Trainingsintensität? Man beachte, dass die  Regelmäßigkeit ein sehr dehnbarer Begriff ist.


Die KYU-Prüfungen dürfen auf der Vereinsebene durch autorisiertes Personal – oft sind es die eigenen Trainer mit einer Prüferlizenz – abgehalten werden. Kann ein Verein keine adäquate Anzahl an Prüfern stellen, so wird stattdessen Laien die Prüfungsabnahme anvertraut - mit verheerenden Folgen für die korrekte Bewertung und das Gerechtigkeitsverständnis. Dabei wird auf die Beziehung zu dem Prüfling (eigenes Kind, das Kind einer angesehenen Person etc.) nicht selten mehr Wert gelegt als auf seine eigentliche Leistung. Diese Art der fehlenden Objektivität und gerechten Gleichbehandlung ruft bei anderen Teilnehmern und Sportlern etwas hervor, was sie bei der nächsten Prüfung erinnern lässt: „es geht auch ohne.“ Sich positiv für einen „Wackelkandidaten“ auszusprechen ist nicht verwerflich, allerdings zu einem immer wieder kehrenden Ereignis sollte diese Ausnahmebewertung nicht werden, denn auch hier erscheint erneut der manifestierte Gedanke „es geht auch ohne.“


Eine Prüfung sollte ebenfalls lange im Vorfeld angekündigt werden, damit die Kandidaten sich entsprechend gut vorbereiten und den Termin freihalten können. Es ist natürlich selbstverständlich, dass auch die Kommission feststeht und sich diese während der Prüfung nicht ändert bzw. der Hauptprüfer seine privaten Termine dann doch nicht plötzlich vorzieht und die Prüfung vorzeitig verlässt. Bei einem Prüfling wäre so ein Verhalten nicht tolerierbar. Auch ein enormes Zuspätkommen seitens der Prüfungskommission ist unentschuldbar, so, wie es auch für die Prüflinge ist und sie mit dem Ausschluss aus der Prüfung rechnen müssen.


Die DAN-Träger sind die Vorzeigeschilder eines jeden Vereins oder einer Schule. Sie repräsentieren die Leistung und das Knowhow, welches sich hinter einem Stil und der jeweiligen Schule verbirgt. So sollten berechtigter Weise nur diejenigen in einer Prüfungskommission vertreten sein, die diese Materie vollumfänglich beherrschen und verinnerlicht haben, denn sie entscheiden über die Zukunft des Vereins. Auch bei einer DAN-Prüfung: die zum ersten DAN muss abgelegt werden. Der letzte „Lehr-DAN“ ist oft der 5. bzw. der 6. DAN und variiert von Verband zu Verband. Ab dem zweiten DAN (natürlich auch die nach dem „Lehr-DAN“) dürfen und werden die Graduierungen verliehen. Somit ist es nachvollziehbar, einer Person einen weiteren DAN aufgrund bestimmter Verdienste für den Kampfsport zu verleihen, wenn er die erforderliche Leistung gesundheitlich nicht mehr aufbringen kann. Eine solche Verleihung weist einen höheren Wert auf als eine schlecht absolvierte Prüfung.


Die bereits oben vermerkte „Mammut-Prüfung“ mit nicht selten 40 oder mehr Prüflingen sprengt alle Grenzen des Erträglichen und des Vertretbaren. Unter dem Aspekt die komplette Bandbreite des Prüfungsprogramms bei allen Teilnehmern zu sichten kommt es zwangsläufig zu einer unzumutbaren Prüfungsdauer und verantwortungsloser Organisation. Je nach Prüfungsablauf kommt es unweigerlich zu längeren Pausen zwischen den Einheiten / Programminhalten bei der die Prüflinge still sitzen müssen. Für Kinder eine Qual und für alle gesundheitsschädlich, denn die erwünschte Leistung kann ohne der notwendigen Betriebstemperatur des Körpers nicht erbracht werden: Zerrungen sind die Folge.


Setzt aber die Prüfungskommission von Anfang an die richtigen Zeichen und hält sie sich selbst an die Richtlinien und Vorgaben, so darf sich ein Prüfling wirklich stolz fühlen wenn er zu Recht und verdient bestanden hat. Dann werden Fragen nach einem „Wieso“ völlig überflüssig und das Streben nach Perfektion, was im Endeffekt bei den Kampfkünsten fest verankert ist, erfolgt von ganz allein.


Spätestens auf Turnieren werden die persönlichen als auch die Vereinsleistungen sichtbar. Hinter Meisterschaft, dem Synonym für Turnier oder Wettkampf, verbirgt sich das Wort „Meister.“ So geht einer Meisterschaft ein langes, gezielt vorbereitendes und alles abverlangendes Training unter fachlicher Anweisung voraus. Eine Teilnahme an einer Meisterschaft ohne einer entsprechenden Vorbereitung dürfte wohl als Beleidigung anderer Teilnehmer des Turniers angesehen werden. Es ist umso mehr schade und unverständlich, wenn die zur Verfügung stehenden Kampfrichter sich zwischen zwei Teilnehmern, die womöglich noch einen Pool bilden, entscheiden müssen, wer von den beiden sich als Bezirk- , Kreis- oder gar Landesmeister nennen darf, wobei beide sehr schlechte Leistungen geboten haben. Solche Leistungsdarbietungen als auch die mangelhafte sowie kontraproduktive Entscheidung des Trainers schaden dem Sportler als auch dem Ansehen des Sportes.  Dem entgegen zu wirken wird versucht so viele Kandidaten zu melden, wie es nur möglich ist. Dabei werden Teams gebildet, die sich untereinander schlimmstenfalls nur namentlich kennen und ein gemeinsames Training bestenfalls in einem Probelauf unmittelbar vor Betreten der Kampffläche absolviert haben. Es geht hierbei nicht um die Masse. Die Klasse macht den Unterschied.


Sicherlich soll jedem Sportler die Möglichkeit gegeben werden, sich mit anderen zu messen, bis an die eigenen Grenzen vorzustoßen und die eigenen Leistungen auszuschöpfen – überhaupt gar keine Frage! Dies fördert deren Entwicklung und Motivation. Turniere der Art, bei der sich die jungen sowie noch nicht erfahrenen Kampfsportler (meist betrifft es die Unterstufe bis Grüngurt) untereinander messen können, wären auf der Vereinsebene besser aufgehoben. Es ist nachvollziehbar, dass nicht jeder Verein eine entsprechend große Mitgliederanzahl vorweisen kann, um eine vereinsinterne Meisterschaft durchführen zu können – braucht er auch nicht. Kleine Vereine könnten diese im Rahmen des normalen  Trainings durchführen und große Vereine, vielleicht mit mehreren Abteilungen, an einem hierfür gesondert festgelegten Tag. Denn allein das Messen untereinander, egal wie groß oder klein der Kreis auch sein mag, kann schon motivierend genug sein. Und die Vorteile liegen an der Hand: die „Besseren“ kämen in den Genuss sich unter Gleichen auf weiterführenden Meisterschaften zu messen, während die nicht ganz so Erfolgreichen etwas Adrenalin und „Turniererfahrung“ schnuppern könnten.


Wäre es für die Athleten nicht wünschenswert sich nur unter den Besten zu messen, unter denjenigen, die sich MEISTERhaft vorbereitet haben, um so später auf etwas zurück blicken zu können, was wirklich von hoher Bedeutung und hohem Wert ist? Denn der Stellenwert eines Turnieres, bei dem es schon von vornerein klar ist, dass jemand ohne anzutreten aufgrund mangelnder Teilnehmerzahl automatisch einen dritten Platz belegt, mit einer schlechten Leistung zweiter wird oder gar bei einer etwas besseren Leistung mit einem Meister-Titel belohnt wird, ist im untersten Segment einer Leistungsscala anzusiedeln.


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