Gedanken Soto und Uchi-Uke

Ein Gedankenspiel zu Uchi- und Soto-Uke

Wo gehe ich hin? Wo komme ich her? So könnte man die Frage zu der Ausführung und der Nomenklatur der zwei verschiedenen Blocktechniken stellen. Fakt ist, dass es in verschiedenen Stilen zu ein und dergleichen Bewegung mehrere und auch vollkommen unterschiedliche Namensgebungen gibt. So wird zum Beispiel in manchen, wenigen Schulen der Block von innen nach außen mit „Soto-Uke“ bezeichnet, während die meisten Kampfkunstvertreter und Stile, wie z.B. Goju-Ryu oder die stilähnliche Kampfkunst Wado-Ryu, den Block „Uchi-(Ude)-Uke“ nennen. Auch im Shaolin-Kempo trägt der Block von innen nach außen den Namen „Uchi-Uke“, wobei auch hier vereinzelte Ausnahmen zu finden sind.


Die Gründe für das Vertauschen der Namen liegt sowohl in der Richtung  der Blocktechnik – also von innen nach außen oder von außen nach innen -  als auch in der Trefferfläche des Armes, mit der er sein Ziel trifft: Innen-  oder Außenseite. Betrachten wir nun mal eine (hier) ausgeführte Blocktechnik „Uchi-Uke“ als solche in Verbindung mit einer Vorwärtsbewegung im  Zenkutsu-Dachi.  An dieser Stelle sei erwähnt, dass mit „Uchi-Uke“ die Bewegungsrichtung als Grundlage der Nomenklatur dient und dieser von innen nach außen ausgeführt wird. Weiter soll gelten, dass zum Zeitpunkt der Betrachtung des Standes (z.B. Zenkutsu-Dachi) das rechte Bein das vordere ist und eine Vorwärtsbewegung bereits erfolgte. Aufgrund der Bewegungsrichtung (nach vorne) sowie der vorgegebenen Breite des Standes ergibt sich gleichzeitig eine seitliche Verschiebung des Körpermittelpunktes und zwar ebenfalls nach rechts.


Nun ist die Frage zu stellen, mit welchem Arm der Block auszuführen ist, um seine Effektivität zu steigern, also um nicht getroffen zu werden: mit dem rechten oder mit dem linken Arm?


Die Antwort liefert die Absicht der Bewegung selbst. Ziel ist es nämlich einen Angriff abzuwehren, beispielsweise einen Fauststoß. Daher ist es sinnvoll folgende Punkte zu beachten:

1. Möglichst frühe Kontaktaufnahme

2. Optimierung der beschriebenen Fläche zwischen dem Ellenbogen, der Blockfaust und der Bewegungsrichtung des blockenden Armes zu der Stoßrichtung des

    angreifenden Armes

3. Bewegungsrichtung des blockenden Armes entgegengesetzt der seitlichen (vektoriell betrachtet) Bewegungsrichtung des Körpers, hier nach rechts

4. Geschwindigkeitssteigerung der treffenden Fläche (hier Ellenseite)


Zu 1:     

Die Argumentation unter Punkt 1. erlaubt eine bereits frühe Ablenkung des Angriffes und ermöglicht somit eine längere Einwirkdauer der Blocktechnik.  Physikalisch betrachtet stehen die Kräfte des Fauststoßes und die des Blockes senkrecht zueinander. Folglich reicht bereits eine weit geringere Kraft als die des Stoßes selbst aus, um ihn abzulenken. Ein später Kontakt mit dem angreifenden Fauststoß verkürzt die Wirkungsdauer des Blockes mit dem Ergebnis, dass der Abstand der stoßenden Faust zum Ziel im Verhältnis zu dem noch notwendigen Weg der Blockbewegung geringer  und ein Treffer nicht mehr zu verhindern ist.


Zu 2:     

Die Fläche, die der Unterarm beschreibt, darf nicht zu klein aber auch nicht zu groß sein. Ist der blockende Arm gestreckt, so ist die beschriebene Fläche klein (in Bezug auf die Stoßrichtung des Angreifers) und die Wahrscheinlichkeit, dass der angreifende Fauststoß abgelenkt werden kann ebenfalls gering: ein Überführen oder ein Unterführen des Blockes kann die Folge sein.

Eine genauere Analyse sowie Gegenüberstellung der Punkte 1 und 2 lässt aber einen Widerspruch aufkommen – zu Recht. Denn, je eher versucht wird, den Kontakt aufzunehmen, um so mehr müsste der blockende Arm gestreckt werden, was wiederum die beschriebene Fläche zwischen dem Ellenbogen und der Hand reduziert. Hier bringt die nächste These einen guten Kompromiss.


Zu 3:

Die entgegengesetzte Bewegung von der Blocktechnik zu der seitlichen Bewegung des Körpers begünstigt die Effektivität des „Uchi-Uke“ aber auch die des „Soto-Uke“. Sie ermöglicht eine längere Distanz zwischen dem Fauststoß und dem Ziel, folglich auch mehr Zeit, in der die Blocktechnik einwirken kann. Dies betrachtend müsste in diesem Fall der „Uchi-Uke“ im Zenkutsu-Dachi mit dem rechten Bein vorne, mit dem linken Arm ausgeführt werden – und der „Soto-Uke“ hingegen mit dem rechten.

 

Zu 4:

Zu der vereinfacht dargestellten translatorischen Bewegung des Armes während der Ausführung des „Uchi-Uke“ von der gegenüberliegenden Hüfte aus sowie einer Rotation des Unterarmes um den Oberarm folgt zudem eine rotatorische Bewegung des Unterarmes um die eigene Achse hinzu. Dies erlaubt eine höhere Krafteinwirkung durch erhöhte Geschwindigkeit der treffenden Fläche (Speichenseite) bei der gleichen Masse des Armes. Das Mitwirken weiterer Muskelgruppen, die sonst ohne der Rotation des Unterarmes nicht aktiv wären, verstärken die Wirkung der Blocktechnik. Bei dieser Betrachtung darf der andere Arm nicht vernachlässigt werden. Durch gekonnte sowie gezielte Bewegungen ermöglicht seine Gegenmasse höhere Geschwindigkeiten des Blockarmes – auch zum Ansatzpunkt der Blocktechnik.


Zusammenfassend lässt sich somit feststellen, dass ein „Uchi-Uke“ (von innen nach außen) seitenverkehrt erfolgen sollte – rechtes Bein vorne, linker Arm in Blockstellung. Ein „Soto-Uke“ hingegen seitengleich – rechtes Bein vorne, rechter Arm in Blockstellung. Also stets der seitlichen Körperbewegung entgegengesetzt.


Diese Feststellung soll allerdings nicht bedeuten, dass alle anderen Ausführungen der oben beschriebenen Blocktechniken  "Uchi- und Soto-Uke" falsch sind!


Bilder für eine genauere Veranschaulichung folgen in Kürze.


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